Miesi Kein Problem Für Simon Zachenhuber, Scull & Culcay Gewinnen In Erding!

Er hat den WM-Ausscheider gegen den Russen Evgeny Shvedenko, 32, gewonnen und ist nun Herausforderer des Superstars Canelo Alvarez. In der Stadtwerke Erding Arena feierten ca. 2000 Zuschauer den Triumph von William Scull, 30, AGONs Stolz im Supermittelgewicht.

„Ich habe es Franquis und Ingo versprochen und ich habe Wort gehalten“, sagte der Boxer aus Mantanzas, Kuba. „Jetzt wartet der nächste Gegner.“ Gemeint ist Canelo Alvarez.

Coach Franquis Aldama lächelte stolz und AGON CEO Ingo Volckmann brachte vor Heiserkeit kein Wort heraus. Sein begeistertes Anfeuern kostete ihm die Stimme.

Scull gewann den IBF-Final-Eliminator gegen Fächers Evgeny Shvedenko, weil er den Druck in seinen Fäusten so gefühlvoll dosierte, wie einen Pfefferstreuer beim Nachwürzen.

Tempo und Raumaufteilung stimmten. Trotz allem, der Respekt voreinander war groß. Weder Shvedenko noch Scull ging ein Risiko ein. Es war zu gefährlich, empfindlich getroffen zu werden.

Sie belauerten sich in der Ringmitte, Shvedenko mit den Fäusten vor dem Gesicht, Scull ließ provozierend die Arme hängen. Nahezu alle Versuche, den Kubaner an den Seilen zu stellen, misslangen. Scull entschwand und hinterließ an den Stellen, wo ihn der Russe wähnte, nichts Treffbares.

Zunehmend taute Scull auf. Ab Runde neun wirbelte er und schlug alle Kombinationen, die die Physik zulässt.

Eigentlich sagt man Shvedenko nach, dass er hinten raus seine Gegner zermürben würde. Gegen Scull gelang ihm das Kunststück nicht. Der fintierte, mied, griff an, und, vor allem, verteidigte clever.

Scull zauberte, tauchte unter den Schlägen seines Kontrahenten durch und zog Jabs, Haken und Gerade durch. Shvedenko war in den Schlussrunden gegen den glänzend aufgelegten AGON-Boxer mehr oder minder zum Zuschauen verdonnert.

Der Magier des Abends siegte verdient nach Punkten (117:111, 118:110, 117:111).

Ist der Mann aus dem AGON Team tatsächlich ein technisch brillanter Überflieger oder hatte Shvedenko die durch Corona bedingte, 18-monatige Ringabstinenz doch nicht so gut verkraftet?

Wir werden es spätestens beim WM-Kampf gegen Alvarez erfahren. Doch eins hat William Scull erreicht. Nach dieser Schlacht kennt jeder seinen Namen.

Mbemba Miesi kein Problem für Simon Zachenhuber

Der Franzose Mbemba Miesi war für den Kampf gegen Erdings Lokalmatadoren Simon Zachenhuber um die internationale Deutsche Meisterschaft des BDB kurzfristig eingesprungen. Ursprünglich war die Hamburger KO-Maschine Alexander Pavlov nominiert, doch Pavlov verletzte sich an der Schulter und musste absagen.

Es war das erste Mal, dass „Zache“ in seiner Heimat boxte und dazu noch vor den Augen seines seit einem Unfall querschnittsgelähmten Vaters. „El Matador“ war bis in die Zehenspitzen motiviert. Die Zachenhuber Matadors (sein Fanklub) machten einen Krach bis kurz vor dem Platzen der Trommelfälle.

Doch Coach Mittermeier hatte seinen Schützling mental geerdet und bestens auf die Atmosphäre und den neuen Gegner eingestellt. Erdings Rechtsausleger ließ sich nicht von der irren Stimmung aus dem Konzept bringen, sondern boxte bedacht nach vorn und wartete auf seine Chancen.

Miesi überließ es Zachenhuber, die kampfentscheidenden Akzente zu setzen. Das Ergebnis der Jury war Formsache. Sie erklärte Zachenhuber einstimmig zum neuen internationalen Deutschen Meister des BDB.

Petro Ivanov ist neuer IBF International Champ im Supermittelgewicht

Mit Petro Ivanov belegt ein weiterer Mann aus dem Fächer Team einen oberen Tabellenplatz der IBF. Der Supermittelgewichtler zeigte gegen Robert Tarek aus Polen sein ganzes technisches Repertoire.
Seine Meidbewegungen, seine Doppeldeckung, seine Schläge aus der Halbdistanz, es passte alles zusammen.

Ivanov wollte nichts erzwingen, baute seine Angriffe klug auf und zermürbte den Polen. Das vorzeitige Ende kam in Runde vier. Zweimal kniete der Pole ab und wurde dafür angezählt. Danach fällte ihn der Ukrainer mit einem bösen Leberhaken zum KO.

Karen Chukhadzhian verteidigt IBF Intercontinental Meister gegen Blake Minto

Karen Chukhadzhian wird sehr bald um einen WM-Titel boxen. Daran ließ Fächers Urgewalt im Weltergewicht keinen Zweifel. Allein sein Auftritt gegen den Australier Blake Minto (14-2-2) war das Kommen wert.

Chukhadzhians Augen schienen gleichzeitig auf Mintos Fäuste und Füße gerichtet zu sein. Ihm entging nichts. Der Australier war chancenlos, denn Chukhadzhian boxte ihn klassisch aus.

Ab Runde drei spielte der Ukrainer mit Minto: Linker Kopfhaken, die gleiche Aktion zur Leber, danach einen halben Schritt raus aus dem Mann. Dann wieder und wieder mit der erbarmungslosen Führhand zum Kopf.

Mintos Kiefer und Nase standen vor dem Bersten. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann und wie Fächers Weltergewichtler den Australier abschießen würde. Ähnliche Gedanken schien Mintos Ecke zu haben. Sie gab den Kampf in der 7. Runde auf.

Fächer CEO Wolfgang Fahrer war sichtlich stolz auf seinen Ukrainer und prognostiziert ihm eine glänzende Zukunft: „Karen ist der kommende Star im Weltergewicht. Ich gehe davon aus, dass wir ihn demnächst in einem WM-Ausscheider sehen werden.“

Auch IBF Präsident Deryl J. Peoples, der vor Ort die IBF-Titelkämpfe verfolgte, war begeistert: „Was für ein Auftritt! Was für ein Kämpfer! Bei dem Boxer stimmt einfach alles!“

Jack Culcay räumt Emanuele Cavallucci in einem „stay busy“ Fight ab

Jack Culcay muss in Übung bleiben, denn der Aufruf für seinen Final Eliminator könnte jederzeit kommen. KÖNNTE wohlgemerkt.

Um das Ringgefühl nicht zu verlieren, boxte „Golden Jack“ in einem „Stay busy“ Fight gegen Emanuele Cavallucci aus Italien.

Nach einer Abtastphase ging Culcay in den Angriff und hielt Cavallucci an den Seilen. Culcay boxte mit hängenden Fäusten und versuchte, den Italiener in den Angriff zu locken. Doch darauf ließ der sich nicht ein. Zu groß war sein Respekt vor dem Ex-Weltmeister der WBA. Wieder und wieder zirkelte Culcay die Schlaghand an den Kopf des Italieners.

Am Ende des vierten Durchgangs zeigte sie Wirkung. Cavallucci musste runter. Er blutete aus den Augenwinkeln.

Jeder erwartete, dass Culcay nun das Brecheisen auspacken würde. Doch er ließ es stecken und boxte intelligent weiter. Der Italiener zeigte Auflöse-Erscheinungen. Man sah, wie er die Zähne zusammenbiss, um die Schmerzen der harten Schläge zu ertragen.

Culcays Punktsieg (99:90, 99:90, 100:89) nahm er mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Er war glücklich, die zehn Runden überstanden zu haben.

Wie geht es eigentlich mit „Golden Jacks“ Karriere weiter? Immerhin warten er und der Russe Bakhram Murtazaliev seit August 2020 auf ihren WM-Ausscheider. Der Sieger würde gegen Jermell Charlo antreten.

IBF Chef Deryl J. Peoples, der bei Jacks Gefecht genau hinschaute, bezog Stellung: „Leider bremst die Revanche-Option aus dem letzten Charlo-Castano Kampf den Prozess. Allerdings habe ich auch Gerüchte gehört, dass Charlo in einer anderen Gewichtsklasse boxen will.

Wäre dem so, dann hätten wir sofort einen Titelkampf zwischen Bakhram Murtazaliev und Jack Culcay.“

Erfahrung siegt über Jugend – Französin Delphine Mancini neue Europameisterin

Delphine Mancini, 35, ist neue Europameisterin der EBU im Bantamgewicht. Sie setzte sich mit (97:93, 96:94, 97:93) gegen die 23-jährige Gütersloherin Michelle Klich durch.

Die Landesmeisterinnen und Nummer 1 in ihren nationalen Rankings hatten ebenfalls Gleichstand bei der Anzahl ihrer Profikämpfe. In Erding bestritten sie beide ihr 5. Gefecht. Als olympische Boxerinnen zeigten sie sehr gute Leistungen.

So war Mancini 7-fache französische Meisterin und gewann 2018 in Sofia Europameisterschaftssilber.

Mancini verblüffte Klich mit schnellen Angriffen und zwang der Gütersloherin ihren Stil auf. Die Französin kämpfte, als wäre das Gefecht ihre letzte Chance auf einen großen Titel.

Auf der anderen Seite war Klich zu verhalten und hatte am Ende leichte konditionelle Defizite. Sie ließ Mancini zu oft gewähren, anstatt selbst die Kampfführung zu übernehmen.

Der Punktsieg der Französin war ungefährdet.

David John Irving, leitete als EBU Referee das Gefecht. Seine Meinung zum Kampf: „Die ersten drei Durchgänge waren ausgeglichen. Danach marschierte Mancini. Die Judges punkteten richtig.“

Jetzt heißt es für die junge Gütersloherin nach vorne schauen und erneut angreifen.

Die weiteren Kämpfe:

  • Kickboxen 52.8 kg: Zsanett Szegfi, Ungarn, PS über Tatjana Obermeier, Erding
  • Middle 72,574 kg: Andrii Velikovskyi, Ukraine TKO Rd. 6 über Catalin Paraschiveanu, Rumänien
  • Welter: 66.678 kg: Nathanael Lukoki, Erftstadt, PS (60:54, 60:54, 60:54) über Batoura Guirassy, Frankreich
  • Heavy: +90.719 kg: Alexander Müller vom Berge, Berlin KO Rd. 1 nach 2.03 min. über Mario Jagatic, Kroatien
  • Floater: Light Welter: 63.503 kg: Tom Sander, Leverkusen PS (39:38, 39:37, 40:36) über Ivan Njegac, Kroatien

Fotos: Torsten Helmke

E-Mail
WhatsApp
Twittern
Teilen