Wie Agit Kabayel und Sükrü Aksu ihren gemeinsamen Weg fanden

Der sportliche Aufstieg von Agit Kabayel ist seit Jahren untrennbar mit Trainer Sükrü Aksu verbunden. Ihre Zusammenarbeit hat den Schwergewichtler bis an die internationale Spitze geführt. Dass diese Beziehung nicht geradlinig verlief, sondern zeitweise vor dem Bruch stand, gehört ebenso zur Geschichte wie die Erfolge im Ring. Gerade mit Blick auf Kabayels aktuelle Position erhält dieser Rückblick zusätzliche Bedeutung.

Wenn Kabayel über Aksu spricht, wird deutlich, wie eng das Verhältnis ist. Im Interview mit DAZN beschreibt der 33-Jährige seinen Trainer als feste Konstante im Alltag. Aksu habe für ihn eine zweite Vaterrolle übernommen, auch weil sie einen Großteil ihrer Zeit miteinander verbringen. Dabei hebt Kabayel weniger große Gesten hervor als Verlässlichkeit und Offenheit. „Wenn ich ihn beschreiben müsste, also zu 100 Prozent loyal und immer ein Ohr offen. Egal, was für Probleme du hast, du kannst zu ihm gehen“, sagte Kabayel. Aksu sei direkt und ehrlich, auch wenn man Kritik manchmal erst verarbeiten müsse.

Kennengelernt haben sich beide eher zufällig. Aksu erinnert sich an einen Kickboxkampf in Aachen, den er eigentlich nur als Begleitung besuchte. Unter vielen Teilnehmern sei ihm Kabayel sofort aufgefallen. Kurz darauf begann die Zusammenarbeit. Die Anfangsjahre waren geprägt von Lernprozessen, fehlender Routine und den typischen Schwankungen junger Athleten. Aksu sagt, er habe früh das Gefühl gehabt, dass aus Kabayel mehr werden könne, auch wenn die nötige Reife erst wachsen musste.

Besonders betont der Trainer Kabayels Arbeitseinstellung. Er habe viele talentierte Boxer erlebt, die den Durchbruch nicht schafften, weil Disziplin und Ehrgeiz fehlten. Bei Kabayel habe er genau diese Eigenschaften gesehen. Der Schwergewichtler habe früh verstanden, dass konstante Arbeit an sich selbst entscheidend ist.

Diese Grundlage führte zu sportlichen Ergebnissen. Kabayel ist nach 26 Profikämpfen weiterhin ungeschlagen. Siege über Frank Sanchez und Zhilei Zhang festigten seinen Ruf in der Weltspitze. Mit dem Interims-WM-Titel des WBC hat er sich in eine Position gebracht, die realistische Perspektiven auf einen regulären WM-Kampf eröffnet.

Doch der gemeinsame Weg war nicht frei von Spannungen. Zwischenzeitlich trennten sich Kabayel und Aksu im Streit. Kabayel blickt selbstkritisch auf diese Phase zurück. Er habe geglaubt, alles besser zu wissen, und sei überzeugt gewesen, allein weiterzukommen. Eine Entschuldigung sei für ihn damals nicht infrage gekommen. Sportlich kam er jedoch nicht voran.

Auch Aksu spricht rückblickend von einer Überreaktion auf beiden Seiten. In dieser Zeit habe Kabayel sogar ein Angebot aus den USA erhalten. Entscheidend für die Wiederannäherung war schließlich Kabayels Vater, der das Gespräch suchte und um eine zweite Chance bat. Aksu stimmte zu, machte aber klar, dass Vertrauen neu erarbeitet werden müsse.

Die Monate nach der Rückkehr beschreibt Kabayel als besonders fordernd. Er habe sich erneut beweisen müssen, pünktlich sein, Einsatz zeigen und Verantwortung übernehmen. Diese Phase habe ihn geprägt und reifen lassen.

Heute gehen beide mit Meinungsverschiedenheiten anders um. Kabayel ist älter geworden, Diskussionen gehören dazu. Aksu sieht darin keinen Widerspruch, solange die Arbeit im Gym stimmt. Die Zusammenarbeit basiert inzwischen auf klaren Rollen und gegenseitigem Respekt.

Vor Kabayels Kampf am 10. Januar gegen Knyba steht damit nicht nur sportliche Vorbereitung im Fokus. Die Geschichte mit Aksu zeigt, wie entscheidend Vertrauen, klare Worte und die Bereitschaft zur Selbstkritik für eine langfristige Karriere im Schwergewicht sein können.

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