Über Paris nach Tokio: Hamburger Boxer Ammar Riad qualifiziert sich für Olympische Spiele

Der Hamburger Boxer Ammar Riad erfüllte sich in Paris seinen absoluten Lebenstraum. Nach Siegen über Konstiantyn Pinchuk (Israel) und zuletzt Uladzislau Smiahlikau (Weißrussland) qualifizierte sich der für den SV Polizei kämpfende Schwergewichtler für die diesjährigen Olympischen Spiele in Tokio vom 24. Juli bis 06. August. „Darauf habe ich gemeinsam mit meinem Team über Jahre hingearbeitet. Es macht mich unglaublich stolz, das nun geschafft zu haben“, so Riad. Nach der Pflicht soll in Japan die Kühr folgen, denn Riad und Trainer Christian Morales haben eine Medaille als Ziel.

Der Weg von Ammar Riad war kein gewöhnlicher: Der heute 25-Jährige kam 2010 aus dem Irak nach Deutschland. Anders als viele andere Olympioniken boxte er nie an einem Stützpunkt. „In Hamburg hatten wir in der Vergangenheit schlechtere Bedingungen als andernorts, trotzdem haben wir für Olympia gekämpft und uns nicht vom Weg abbringen lassen. Ich hoffe nun, dass sich das langfristig ändert und Hamburg als Boxsporthochburg weiter gestärkt wird“, betont Riad.

Nachdem das europäische Qualifikationsturnier eigentlich bereits im Vorjahr geplant war, wurde es pandemiebedingt in den Juni 2021 verschoben. Ammar Riad absolvierte die finale Vorbereitung in Kienbaum, trainierte mit der internationalen Elite. Die Schufterei zahlte sich aus: Erst setzte er sich in der französischen Hauptstadt gegen Konstiantyn Pinchuk durch und lies sich auch von einer Verwarnung sowie den damit verbundenen Punktabzug in der zweiten von drei Runden nicht aus dem Konzept bringen: „Ich wusste, dass die dritte Runde
ber Sieg und Niederlage entscheidet. Trotz der Verwarnung habe ich meinen Stil nicht umgestellt und weitergekämpft.“

Der alles entscheidende Fight folgte dann gegen den Vize-Europameister Uladzislau Smiahlikau. Dem größenmäßig überlegenden, favorisierten Weißrussen gelang es nicht, seine Reichweitenvorteile auszuspielen, da der Hamburger seinen Kontrahenten nahezu über die volle Zeit in der Vorwärtsbewegung unter Druck setzte. Mit Erfolg: Alle fünf Punktrichter stimmten für den Deutschen. Durch den Einzug in das Halbfinale gehört Riad zu den in Europa vier besten Boxern und sicherte sich dadurch seine Fahrkarte nach Tokio.

Das Halbfinale gegen den russischen Weltmeister Muslim Gadzhimagomedov sagte Riad nach Rücksprache mit den Ärzten vorsichtshalber ab. „Ich habe leichte Schmerzen im Kiefer, möchte im Hinblick auf Olympia kein Risiko eingehen. Es wird mich aber nicht weiter behindern“, gibt er bereits Entwarnung.

Stolz zeigte sich auch Christian Morales, Landestrainer des Hamburger Boxverbandes, auf seinen Athleten: „Ammar hat drei Runden lang alles gegeben, einen riesen Kampf abgeliefert. Er hat genau das umgesetzt, was wir im Vorfeld besprochen haben. Mit dieser Leistung ist auch bei Olympia alles möglich. Da werden Nuancen entscheiden und wir werden alles dafür tun, eine Medaille zu gewinnen.“

Peter Kadiru gegen Boris Estenfelder am 9.10. in Magdeburg

HABV-Präsident Ömrü Özcan unterstreicht die Bedeutung des Erfolgs für den gesamten Hamburger Boxsport. „Es bestätigt uns in unserer Arbeit und ist Motivation, weiter zu machen. Viele jüngere Athletinnen und Athleten schauen zu Ammar auf und wissen nun, dass in Hamburg der Weg zu Olympia realisierbar ist.“

Nach dem Erfolg wird es Morales, der extra nach Paris flog um seinen Schützling wieder nach Hamburg zurückzuholen, auch verschmerzen können, das gemeinsame Frühstück am Fuße des Eiffelturms zu bezahlen – in der Hoffnung, dass am 7. August, dem Tag nach dem Olympischen Finale im Schwergewichtsboxen, das nächste gemeinsame Essen ansteht. Dafür benötigt der Hamburger im mit 16 Boxern besetzten Feld zwei Siege, um ins Halbfinale einzuziehen und Bronze sicher zu haben.

Hutaev greift bei U22-Titelkämpfen nach einer Medaille

Nach der erfolgreichen Olympiaqualifikation von Ammar Riad möchte mit Superschwergewichtler Turpal Hutaev ein weiterer Hamburger für Furore sorgen. Bei der U22-Europameisterschaft im italienischen Roseto degli Abruzzi an der Adriaküste steigt Hutaev am Sonntag erstmals in den Ring und bekommt es mit Munteanu aus Moldawien zutun.

Die deutsche Mannschaft hatte sich vor der Abreise nach Italien am Bundesstützpunkt Heidelberg final auf das Turnier vorbereitet, flog anschließend von Frankfurt nach Rom, um die italienische Halbinsel dann mit dem Bus zu durchqueren. Nach der Auslosung am 15. Juni und der Eröffnungszeremonie am 16. Juni starteten die ersten Kämpfe des Turniers bereits am 17. Juni. Bis zum 24. Juni wird jeden Tag geboxt – und das überwiegend im Freiem unter einem Schatten spendenden Zeltdach. Lediglich die Finalkämpfe werden in der Halle ausgetragen.

Sven Elbir gegen Chris Eubank am 2. Oktober in London

Für die Hamburger Schwergewichtshoffnung Turpal Hutaev steht in der Gewichtsklasse über 91 Kilogramm am Sonntag das erste Kräftemessen an. Nach einem Weiterkommen würde es bereits einen Tag danach am Montag mit dem Viertelfinale weitergehen, am 22. Juli das Halbfinale stattfinden. In der mit 14 Boxern besetzten Gewichtsklasse benötigt der Athlet des SC Condor zwei Siege, um das große Ziel einer Medaille zu verwirklichen.

„Ich traue es ihm absolut zu, im täglichen Sparring mit Peter Kadiru, Albon Pervizaj oder Ammar Riad hat er gezeigt, dass er mithalten kann. Wenn er das abruft, ist eine Medaille absolut möglich. Er wird selbstbewusst in den Kampf gehen. Der erste Gegner ist für uns unbekannt, trotzdem bin ich überzeugt, dass Turpal erfolgreich ins Turnier startet“, schätzt Coach Christian Morales ein. Der 20-Jährige, der bei der U19-Europameisterschaft 2019 die Silbermedaille gewann, zählt zu den großen Hoffnungsträgern im Hamburger Boxverband (HABV), entwickelte sich in der Trainingsgruppe der „schweren Jungs“ um Kadiru, Riad und Pervizaj zuletzt hervorragend und profitiert vom täglichen Vergleich. „Wir wollen ihn langfristig aufbauen, um mit ihm 2024 oder 2028 ebenfalls an den Olympischen Spielen teilzunehmen“, skizziert HABV-Sportdirektor Morales den Plan. Bei der nun beginnenden U22-EM ist Hutaev der jüngste Starter im Superschwergewicht – dass das aber kein Nachteil sein muss, zeigte er bereits vor zwei Jahren.

E-Mail
WhatsApp
Twittern1
Teilen28