Juli ist immer der Monat des britischen Sports: Wimbledon, der Große Preis von Großbritannien, die Golf-Open – und trotzdem wäre dieser Sommer unvollständig ohne den Rückkampf zwischen Oleksandr Usyk und Daniel Dubois. Während man vor den Tennis- und Motorsportstars kaum entkommt, sorgt der echte Ringknaller dafür, dass man ausnahmsweise den Rasen und die Rennstrecke links liegen lässt.
Bereits zum ersten Mal findet in England ein Schwergewichts-WM-Kampf statt, bei dem alle vier großen Gürtel auf dem Spiel stehen – und mit Daniel Dubois (22-2) stellt ein echter Brite die Herausforderung. Dass das nicht jedes Jahr passiert, versteht sich von selbst. Einmal im Leben kommt so ein Heimvorteil, und dieses Mal ist das Wembley-Stadion die wahre Arena aller Arenen.
Als ob das nicht genug wäre: Usyk (23-0) hat beim ersten Aufeinandertreffen bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und bei einem Sieg am 19. Juli würde er seine makellose Profi-Bilanz weiter ausbauen. Olympiasieger mit 335-15 im Amateurbereich, Cruisergewichts-Champion, jetzt König des Schwergewichts – und das alles ohne einen einzigen echten Niederschlag im Profi-Ring (na gut, vielleicht einer – dazu später mehr).
Was macht diesen Rückkampf so einmalig?
Zwei Gründe heizen das Ganze besonders an: Erstens der umstrittene Knockdown im ersten Duell, der von vielen als Tiefschlag gewertet wurde, obwohl die Ringecke anderer Meinung ist. Dubois schickte Usyk mit einem Uppercut gegen den Gurt und hätte theoretisch Punkte abgezogen bekommen können. Die Unklarheit darüber, ob es regelkonform war, bleibt Gesprächsstoff für Taktik-Kreise und Fans gleichermaßen.
Zweitens kommt Dubois frisch von seiner vernichtenden Leistung gegen Anthony Joshua im September. Der “Juggernaut” räumte Joshua in nur fünf Runden aus dem Weg, traf ihn mit der harten Geraden und zeigte erstmals, dass er nicht so wackelig ist, wie sein Ruf vermuten ließ. Das Momentum liegt eindeutig bei ihm: Wenn jemand glaubt, er könne Usyk diesmal nach Punkten überrumpeln, ist er nicht allein.
Warum hat Usyk noch nicht ausgedient?
Usyk mag im Schwergewicht körperlich kleiner sein, dafür kompensiert er das mit überragender Beinarbeit, blitzschnellen Doppeljabs und variabler Schlagfolge. Seine Fähigkeit, Tempo, Distanz und Winkel zu kontrollieren, ist fast schon analytisch: Er kreiert ständig neue Line-of-attack, schaltet durch Täuschungen den Geist des Gegners aus und zielt darauf ab, Körpertreffer in Serien einzubauen, um das Zentrum des Gegners zu öffnen.
Mentale Härte ist ein weiterer Trumpf. Nach dem ersten Rückkampf gegen Fury wirkte selbst ein genervter Dubois wie ein Hamster im Laufrad, als er nach dem Gong in den Ring stürmte. Usyk zuckte nur mit den Schultern: “Kein Problem”, murmelte er und zeigte einmal mehr, dass ihn der ganze Hype kaum berührt. Wer sechs Runden mit Fury und Joshua unbeschadet übersteht, dem bringt ein Knockdown durch Dubois kein Zögern bei der Arbeit.
Kann Dubois auf heimischem Boden überraschen?
Heimvorteil ist nicht nur ein Wort, es ist ein echter Faktor. Über 90.000 Fans im Rücken, ein Stadion, das seine Herzen kennt, und ein Herausforderer, der noch nie in Wembley verloren hat – all das gibt Daniel Dubois ein Selbstvertrauen, das schon in den letzten Kämpfen seine Wirkung zeigte. Seine Geraden kommen scharf, der linke Jab zwickt, und im Nahkampf hat er gelernt, den Gegner mit Körpertreffer gnadenlos zu bearbeiten.
Die Frage ist, ob Dubois es schafft, Usyk früh zu bedrängen, bevor der Champion seinen Rhythmus findet. Ein schneller Start mit Druck könnte Usyk aus der Balance bringen, denn Usyk ist zwar ausdauernd – er kann zwölf Runden tanken wie ein Mittelstreckenläufer – aber gegen ungewohnte Aggression kommt auch er ins Schwimmen. Wenn Dubois also “Bomben” ankündigt, meint er nicht nur Phrasen.
Prognose
Erwartet einen intensiven Auftakt, in dem Dubois alles riskiert und vielleicht zulange mit der Faust jagt. Usyk wird Geduld zeigen, Konter setzen und die Mitte des Rings kontrollieren. Am Ende dürfte das Punktrichterurteil wieder zugunsten des Ukrainers ausfallen, auch wenn er dieses Mal härter geprüft wird. Selbst wenn Dubois den Rückkampf gewinnt, wird man sich noch lange an seine Explosivität erinnern – aber die Gürtel landen erneut um Usyks Taille.
Wann und wo findet der Kampf statt?
Am 19. Juli 2025 im Wembley-Stadion, London. Kampfbeginn gegen 22 Uhr Ortszeit.
Wo kann man den Rückkampf live verfolgen?
Exklusiv auf DAZN PPV. Stream-Details und Abomodell über die DAZN-Plattform.
Wie lief der erste Rückkampf im August 2023 ab?
Usyk dominierte, stellte mit seinem Jab den Rhythmus ein und landete den fraglichen Knockdown per Uppercut gegen den Gurt.
Warum war der Knockdown umstritten?
Der Punch traf knapp unterhalb der Gürtellinie, was zu Diskussionen über Regelverstöße führte – der Referee sah jedoch keinen Regelbruch.
Welche Rolle spielt der Heimvorteil für Dubois?
Die Unterstützung von Zehntausenden Fans kann den Druck erhöhen und Adrenalin freisetzen, was Dubois helfen könnte, frühe Unsicherheiten zu überspielen.
Was sind Usyks größten Stärken?
Seine Fußarbeit, seine taktische Flexibilität, die Fähigkeit zu täuschen und punktgenaue Konter, gepaart mit erstklassiger Kondition.