Chemnitz hat wieder gezeigt, warum diese Stadt in Sachsen als Box-Magnet gilt. Über 2000 Leute drängten sich in den Kraftverkehr Chemnitz, und schon vor den Profis sorgten die Halbfinals des 31. Internationalen Chemnitzer Turniers für die richtige Betriebstemperatur. Die Stimmung war so sattelfest, wie man es hier gewohnt ist: laut, fachkundig, engagiert.
Die SES-Box-Gala legte auf dieser Basis einen Abend hin, der Tempo und Geschichten bot. Und zwei WBO-Titelkämpfe standen im Mittelpunkt – beide intensiv, beide hart, aber mit komplett unterschiedlichem Verlauf.
Wie Artur Reis trotz Rückschlägen zum Gürtel kam
Der Kampf um den WBO-Europe-Gürtel im Halbschwergewicht startete gut für Artur Reis. Die erste Phase gehörte klar dem SES-Mann, das Publikum ging direkt mit. Doch nach zwei Runden verlor er seine Linie, setzte die Führhand nicht mehr sauber ein, und Mateusz Tryc übernahm mit einem dichten, körperlichen Stil. Infight, Druck, Kopf-an-Kopf – Tryc machte den Kampf schmutzig und unangenehm.
Viele Zuschauer sahen den Polen vorn. Deshalb überraschte das Urteil:
96:94, 94:96, 97:93 für Reis.
Damit war er neuer WBO-Europe-Champion, auch wenn die Halle hörbar staunte. SES-Promoter Ulf Steinforth formulierte es ungewohnt ehrlich:
„Für mich ist Artur Reis nicht der Sieger in diesem Kampf.“
Er ergänzte:
„Kein schöner Kampf im Sinne des schönen und klaren Boxens.“
Xhoxhaj bricht Räsänen – und Dobler dominiert kurz und hart
Im Cruisergewicht gab es deutlich weniger Fragen. Armend Xhoxhaj, der Nürnberger mit Dampf in beiden Fäusten, setzte Niklas Räsänen von Beginn an unter anhaltenden Druck. Der Finne wurde in Runde sechs nach vielen harten Treffern aus dem Kampf genommen. TKO – Xhoxhaj wieder mit Gürtel.
Schwergewichtler Michel Dobler erledigte Alessandro Jandejsek noch schneller. Das Duell endete bereits in der dritten Runde durch TKO. Gewaltig, klar, kompromisslos.
Dazu kehrte Max Suske nach einer längeren Pause mit einem 60:54-Punktsieg gegen Mateusz Pawlowski zurück. Armenius Rolle und Ole Rätzel holten jeweils klare Punktgewinne für ihre Profi-Laufbahnen.
Eine Boxnacht, die den Ruf der Stadt stärkt
Die Mischung aus Amateuren und Profis, aus Tempo und Handwerk, aus Lokalhelden und internationalen Gegnern – all das wirkte wie aus einem Guss. Chemnitz bewies zum dritten Mal, dass der Kraftverkehr nicht nur ein Veranstaltungsort ist, sondern ein kleiner Hexenkessel für ehrliche Fäuste.
Ergebnisse
WBO Europe Light Heavyweight (10 Runden)
Artur Reis (GER / 78,6 kg) vs. Mateusz Tryc (POL / 78,5 kg)
Reis W PTS: 96:94, 94:96, 97:93
WBO Europe Cruiserweight (10 Runden)
Armend Xhoxhaj (KOS / 88,9 kg) vs. Niklas Räsänen (FIN / 88,3 kg)
Xhoxhaj W TKO: Rd. 6 (2:59)
Supermittelgewicht (6 Runden)
Max Suske (GER / 75,5 kg) vs. Mateusz Pawlowski (POL / 75,1 kg)
Suske W PTS: 60:54, 60:54, 59:55
Schwergewicht (6 Runden)
Michel Dobler (GER / 105,1 kg) vs. Alessandro Jandejsek (CZE / 91,3 kg)
Dobler W TKO: Rd. 3
Weltergewicht (6 Runden)
Arminius Rolle (GER / 62,3 kg) vs. Max Teschke (GER / 65,5 kg)
Rolle W PTS: 60:54, 60:54, 60:54
Superweltergewicht (4 Runden)
Ole Rätzel (GER / 68,5 kg) vs. Richard Walter (CZE / 68,8 kg)
Rätzel W PTS: 40:36, 40:36, 40:37
Halbfinals des 31. Int. Chemnitzer Turniers:
Tatjana Obermeier, Maxi Klötzer, Imad El Mahi, Dennis Rohner, Silvio Schierle – alle siegten klar nach Punkten.