Cospolite gegen Jack Culcay chancenlos – Nächster Gegner Abass Baraou?

Endlich wieder Boxen live und das gleich mit drei Titelkämpfen

Agon Sports & Events erlöste die Fans aus der staatlich verordneten Corona-Zwangspause. Endlich gab es wieder Profiboxen live. Ohne Zuschauer und unter strengen Sicherheitsauflagen veranstaltete Agon in den Havelstudios ein Event mit sieben Kämpfen. Dabei ging es für Jack Culcay, Björn Schicke und Vincenzo Gualtieri um Titel.

„Golden Jack“ Culcay (27-4-0) hat seinen WBO International im Superweltergewicht gegen den Franzosen Howard Cospolite (18-7-3) durch einen Punktsieg verteidigt. Der Weltmeister der Amateure und Profis war der bessere Mann, diktierte das Tempo und kam immer wieder zu guten Treffern. Doch alles was er gegen den Kopf des französischen Landesmeisters schlug, war wirkungslos. Deshalb zog Culcay seine Fäuste zur Leber. Es war die richtige Strategie zum richtigen Zeitpunkt, denn Cospolite begann untern den Haken zu leiden. Nach zwölf Runden werteten die Punktrichter (112:116 110:117 111:117) zugunsten von „Golden Jack.”

Jetzt möchte Agons Superweltergewichtler schnellstmöglich wieder um eine WM boxen. Wen er sich als nächsten Gegner wünscht, verriet er im Interview mit Ringsprecher Ronny Leber: „Ich möchte wissen, ob Abass Baraou tatsächlich so gut ist, wie behauptet wird. Deshalb würde ich gerne gegen ihn antreten!“

Björn Schicke gibt im Kampf um EBU EU-Titel auf

Björn Schicke (16-0-1) verliert seinen EBU-EU-Titel an Marten Arsumanjan (9-1-1), den amtierenden Intercontinental Champ der GBU, zudem Cousin des Ex-Weltmeisters Arthur Abraham. Bis zur fünften Runde war es ein ausgeglichener Kampf mit vielen harten Treffern. Eigentlich ist Schicke ein Boxer, der sein volles Potenzial in der langen Distanz abruft. Doch gegen Arsumanjan begann er den fatalen Fehler sich auf die angebotene Nahdistanz einzulassen. Schicke kassierte in der sechsten Runde heftige Treffer und konnte nichts mehr sehen. Deshalb gab die Ecker um Agons Headcoach Michael Stachewicz den Kampf auf.

Vincenzo Gualtieri ist neuer Deutscher Meister des BDB

Mit einem hauchdünnen Punktvorsprung und einer epischen Schlacht um die deutsche Meisterschaft des BDB setzte sich Agons ungeschlagener Mittelgewichtler Vincenzo Gualtieri (14-0-0) gegen den bis dato ebenfalls unbesiegten Alexander Pavlov (10-0-0) durch. Gualtieri musste sich den Titel hart erarbeiten, denn Pavlov boxte geschickt nach vorn. Vor allem seine lange Führhand bereitete Gualtieri in den ersten vier Runden Probleme. Dann besann sich der Wuppertaler auf seine technischen Stärken und fand das Gleichgewicht zwischen treffen und nicht getroffen werden. Doch er schlug zu wenig, um sich klar absetzen zu können. Im letzten Durchgang bewies er noch einmal Kampfgeist und nahm Pavlov unter Feuer. Es reichte (95:95 96:95 96:94). Traditionell erhielt Gualtieri den Deutschen Meistergürtel aus den Händen des Präsidenten des Bundes Deutscher Berufsboxer Thomas Pütz. Es war ein großartiger Kampf zwischen einem guten Pavlov und einem besseren Gualtieri.

Jama Saidi ist nach Sieg im Mittelgewicht angekommen

Jama Saidi (16-1-0) ist vom Superweltergewicht ins Mittelgewicht aufgestiegen und dort bestens angekommen. In einem taktisch klug geführten Kampf besiegte er Jay Spencer aus Düsseldorf (11-1-0). Spencer lieferte eine starke Leistung ab, doch er konnte gegen den Ex-Europameister der IBF und WBO wenig ausrichten. Saidi war der technisch bessere Boxer mit den klareren Aktionen.

Alle drei Kampfrichter werteten den Fight 80:72 zugunsten Agons Mittelgewichtler. Saidi will in der neuen Gewichtsklasse möglichst schnell an die Spitze. Deshalb muss er in anderen Größenordnungen denken, als nur von Kampf zu Kampf. Mit diesem Wissen ist die Wahl seines nächsten Wunschgegners nachvollziehbar. Er verriet dem Ringsprecher, dass er sich als nächsten Gegner Patrick Wojcicki wünschen würde. Dieser Kampf wäre ein Brett, denn das Saidi boxen kann, das hat er heute in den Havelstudios bewiesen und sein Wunschgegner, Team Sauerlands Patrick Wojcicki, ist nicht nur die deutsche Nummer eins im Mittelgewicht, er ist auch der amtierende Intercontinental Champ der IBF.

Cruisergewichtler Artur Mann mit K.o. gegen Rad Rashid

Durch einen Knockout-Sieg über Rad Rashid (18-7-0) bestätigte Artur Mann (16-1-0) seine ansteigende Formkurve. Kampfentscheidend war Manns Führhand. Er hielt den Frankfurter damit auf Abstand und rüttelte ihn wirkungsvoll durch. Zum Schluss der zweiten Runde musste Rashid nach einer Führhand-Schlaghand-Kombination runter. Sein Ende kam nach 39 Sekunden im dritten Durchgang. Agons Cruisergewichtler zog einen brutalen Aufwärtshaken zum Kopf seines Kontrahenten und schlug ihn durch Knockout.

In den Vorkämpfen besiegte Thomas Piccirillo (6-0-1) aus Köln Agons Mittelgewichtler Adam Amkhadov (7-0-0) in einem auf acht Runden angesetzten Kampf einstimmig nach Punkten. Piccirillo boxte kompakt aus der Mitte, hielt Amkhadov an den Seilen und setzte die besseren Treffer. Amkhadov fand nicht in den Kampf. Vor allem fehlte ihm die Robustheit, um dem Kölner gefährlich werden zu können. In der vorletzten Runde bekam er eine Verwarnung wegen Haltens, doch da war das Gefecht bereits entschieden. Die Punktrichter werteten das Gefecht mit 77:74, 77:74, 78:74 und entsprachen damit dem Kampfverlauf.

Das Gefecht der Superweltergewichtler Said Rahimi aus Hamburg (11-4-0) und Agons Haro Matevosyan (10-0-0) wurde nicht gewertet und endete bereits in der ersten Runde mit einem „No Contest.“ Nachdem der Hamburger sich aus einer tiefen Meidbewegung aufrichtete, stießen beide mit den Köpfen zusammen. Matevosyan zog sich einen Cut an der linken Augenbraue zu und Rahimi einen stark blutenden Riss an der Stirn. Der Ringarzt empfahl dem Referee, den Kampf abzubrechen.

O-Töne vom Event

Thomas Pütz, Präsident des BDB: „Die Veranstaltung war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Welt hat gesehen, dass in Deutschland wieder geboxt wird.
Vielen Dank an Agon!“

Ingo Volckmann, CEO Agon Sports & Events: „Ich bin etwas zerrissen. Adams und Björns Niederlagen waren überraschend, zeigen aber auch, dass unsere Kämpfe auf Augenhöhe stattfinden. Im Kampf von Haro Matevosyan und Said Rahimi war der verletzungsbedingte Abbruch und das anschließende „No Contest“ sicherlich nicht nach dem Geschmack der beiden Athleten. Aber das ist nun einmal Boxen! Dass Jama Saidi sich Patrick Wojcicki vor die Fäuste wünscht und Abass Baraou von Jack Culcay gefordert wird, ist eine tolle Sache. Natürlich werde ich sie unterstützen.“

Dr. Strickrodt, Sportmanager Agon: „Nach über zwölf Wochen konnte Agon mit einigen Klimmzügen europaweit wieder Boxen in Berlin präsentieren. Corona hatte bisher alles ausgebremst. Jetzt meldet sich der Boxsport nach dem Fußball und Basketball wieder bei seinen Fans zurück. Die Kämpfe, und das freut mich besonders, waren absolut auf Augenhöhe, wie die Ergebnisse ja beweisen. Da steht Agon für top Kämpfe, auch wenn es mal einen Titel kostet. Und die wollen wir im Übrigen zurück!“

Schreibe einen Kommentar

16 Shares
E-Mail
WhatsApp
Teilen
Twittern