Christine Theiss vs Olga Stavrova 2 – Mission „Titelklau“ gelungen

Die offizielle Version und das Ergebnis dieses Kampfes, so wie von Sat1 in Szene gesetzt, sieht aus wie ein grandioser Erfolg für Christine Theiss. Zum Karriereabschluss ihre Niederlage auszubügeln und als Weltmeisterin abzutreten war das erklärte Ziel. Man konnte gestern Abend unabhängig vom Kampfverlauf deutlich sehen, dass beim TV-Partner Sat1 alles dafür getan wurde, dieses Ziel zu unterstützen. Letztendlich hat die ganze Inszenierung geklappt und Frau Theiss konnte sich als Siegerin feiern lassen. Der Kampf wurde wie in alten ZDF-Zeiten kommentiert, also 150% pro Heimboxer. Beinahe jede Aktion von Frau Theiss war sinngemäß eine kampfentscheidende Heldentat, während die Aktionen von Olga Stavrova nur beiläufig gewürdigt wurden.

Der absolute „Hit“ war das eingeblendete Zuschauervoting. Nach den ersten Runden, von denen Frau Theiss nur in einer vorne gelegen haben kann und die übrigen an Stavova hätten gehen müssen, gab es fast 70% der angeblichen Zuschauerstimmen, die Theiss vorne sahen. Man kann durchaus in Zweifel geraten, wenn man solche Votings sieht. Später, nachdem Frau Theiss tatsächlich ein paar bessere Runden abgeliefert hatte, stand das Zuschauervoting auf einmal bei 50:50. Ob die Zuschauer den Kampf bewerteten, ob es Fananrufe waren oder ob das Voting überhaupt Aussagekraft hat, sei mal dahingestellt. Die gesamte Berichterstattung und Kommentierung waren pro Theiss, was man von Beginn an merkte.

Zum Kampfverlauf kann man sagen, dass Frau Theiss in den ersten 3 Runden nur darauf bedacht war, nicht selbst getroffen zu werden und sich Olga Stavrova vom Leibe zu halten. Nennenswerte Aktionen ihrerseits konnte man kaum sehen. Die Runden 4 und 5 waren in der ersten Kampfhälfte wohl die besseren für Theiss. Es gab tatsächlich einige Kicks und Schläge, die ihr Ziel nicht verfehlten. Die Runden 7 und 8 kann man vielleicht auch Chistine Theiss zuordnen. Jedoch muss man auch bemerken, dass sie Olga Stavrova zu keiner Zeit „einbremsen“ konnte. Stavova kämpfte von Beginn an wie eine Herausforderin, aggressiv und angriffslustig. Mit den Kicks hat sie es nicht so, sondern versuchte immer wieder, ihre Schwinger ins Ziel zu bringen, mit denen sie im ersten Kampf Erfolg hatte und Christine Theiss (eigentlich) KO schlug.

Über die vollen 10 Runden konnte man beobachten, dass die Herausforderin nur darauf bedacht war, sich vor den ständigen Angriffen Stavrovas zu schützen und auf keinen Fall zu riskieren wieder so getroffen zu werden wie im ersten Kampf. In 4 von 10 Runden kämpfte sie etwas weniger defensiv und konnte einige gute Treffer landen. Man konnte eigentlich nicht davon ausgehen, dass die Revanche geglückt sei. Der Kampf ging normalerweise verloren, weil Theiss die ersten Runden wegschenkte. Wie dann daraus dieses Urteil und der Sieg für Frau Theiss zustande kam, bleibt ein Rätsel. Ebenso bleibt ein Rätsel welchen Narren man eigentlich bei SAT1 an Christine Theiss gefressen hat. In der Nachbetrachtung strahlte sie in der üblichen Selbstherrlichkeit, die man schon von ihr gewohnt ist. Die um ihren Titel gebrachte Olga Stavrova hat man wohlwissend erst gar nicht mehr interviewt. Was hätte man sie auch fragen sollen und welche Antworten hätte sie geben können? Es schien doch von vorn herein festzustehen, dass Theiss den Kampf nach Punkten „gewinnt“, solange sie zumindest nicht KO geht.

Als Kickboxerin war das ihre letzte Vorstellung und ihren Sendeplatz wird vielleicht verdientermaßen die überaus sympatische Julia Irmen einnehmen, die beim Publikum weit weniger zwiespältige Reaktionen hervorruft und mit echter Leistung überzeugen kann. Als Moderatorin bleibt Frau Theiss „ihrem“ Sender und dem TV-Publikum erhalten und sie wird ab 2014 in verschiedenen Sendungen als Moderatorin oder Coach zu sehen sein. Ihre und die Mission von Sat1, den Titel zurück zu holen und als Weltmeisterin abzutreten ist gelungen, auch wenn es ein inszenierter Titelklau war.

Wer sich den Kampf noch einmal ansehen will findet ihn Runde für Runde auf www.ran.de.

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