Aaron Green vs Raymond Ochieng – „Gorilla“ besiegt „King Kong“

Eigentlich kaum der Rede wert, dennoch in Ermangelung vieler bedeutender Boxkämpfe an diesem Wochenende ist es nicht uninteressant, den Sieg von Aaron „Gorilla“ Green über Raymond „King Kong“ Ochieng etwas zu hinterfragen. Nicht wegen des Kampfes (TKO-Sieg von Green in Runde 2),sondern eher wegen der handelnden Personen. Während Green mit seinen 30 Jahren und einer sauberen Kampfbilanz von jetzt 11(9)-0-0 auf dem aufsteigenden Ast Step by Step weiter nach oben klettert, sind es Boxer wie der mittlerweile 36-jährige Raymond Ochieng, die frühzeitig erkannt haben, wo ihr Talent liegt. Der gebürtige Kenianer lebt seit einiger Zeit in Florida und hat sich damit abgefunden, keines der ganz großen Boxtalente zu sein. Dennoch ist er immer wieder ein gern gebuchter Gegner, wenn es darum geht, anderen in ihrer Karriere zu helfen, einen passablen Rekord aufzubauen. Ein echter „Journeyman“ ist er dennoch nicht. Sein Kampfrekord von 24(19)-17(13)-3 scheint recht durchwachsen zu sein, aber wenn man genauer hinschaut, ist es ein wohldurchdachter Plan, den Ochieng da verfolgt. Seine Siege hat er zum großen Teil in Kenia gegen Boxer, die kaum eine wirkliche Chance gegen ihn haben. Seine Niederlagen kassiert er, wenn er überall auf der Welt gerufen wird um als Aufbaugegner zu kämpfen. Allerdings, wie auch eine (angeblich einzige und absolut erfolgreiche) deutsche Promoterin erkennen musste, als er „zum Verlieren“ gebucht werden sollte: „Not for Peanuts!“

Bereits in seinem 5. Profikampf war für Ochieng klar, wohin die Reise geht. Er war damals noch Cruiser und kämpfte als Herausforderer um die internationale polnische Meisterschaft gegen den jetzigen WBC-Weltmeister Wlodarcyk. Ochieng merkte bald, das auf dem internationalen Parkett mehr und bedeutend leichter etwas zu verdienen war, wenn man für einen Kampf eingekauft wird, als das man stets selbst nach oben strebt und dabei zwangsläufig auf ständiger Sponsorensuche ist. Er stieg auf ins Schwergewicht und begann planmäßig vorzugehen. So führte ihn sein Weg schließlich auch 2006 zu einer Universum-Veranstaltung nach Hamburg, wo er in einem 6-Runden Kampf gegen den Ukrainer Volodymyr Lazebnyk durch TKO 5 unterlag. Danach ging es wieder nach Kenia oder Tansania um den Rekord aufzubessern. Das er dabei im Verlauf von 3 Jahren 7x gegen den gleichen Gegner (Robert Ochung) boxte und ihn jedesmal durch (T)KO besiegte, fällt ja auch kaum auf. Es folgten Kämpfe in Russland und auch wieder in Deutschland. Bekannte Boxer wie Airich und Hoffmann waren seine Gegner. In Russland zum Beispiel auch das aufstebende Schwergewichtstalent Abdusalamov oder in den USA der bereits 48-jährige Billy Wright, gegen den er 2012 im Kampf um den Interim-PABA und den WBC-Latino (!) – Titel bereits in der ersten Runde durch TKO unterging.

Der Kampf gestern gegen Green beweist einmal mehr: Solche Boxer wie Raymond Ochieng werden gebraucht um anderen zu helfen, auf der Karriereleiter vorwärts zu kommen, auch wenn diese Karriere nicht jeden bis zur Erfüllung aller Träume führen kann. Anders bei Ochieng, für ihn war der Weg von Nairobi nach Miami bereits die Erfüllung seines Traumes. Wen stört es da schon, aller paar Monate mal KO zu gehen. Während andere Boxer noch schwülstigen Träumen von WM-Siegen nachhängen und alles dafür tun um ihrem Ziel näher zu kommen, hat Ray seine Ziele bereits erreicht und es geht ihm vielleicht besser, als es ihm ohne den Boxsport jemals hätte gehen können. Man kann davon ausgehen, dass er dieses Spiel mindestens noch 10 Jahre durchhalten wird. Mal sehen, wer seine nächsten Gegner sein werden und ob wir ihn auch demnächst wieder einmal hier in Deutschland als Aufbaugegner sehen werden. Doch alle Promoter und Matchmaker sollten an Rays Worte denken: „Not for Peanuts!“ – und man weiß auch nie, wann er mal eine sich bietende Gelegenheit nutzt und einen vermeintlichen Favoriten entzaubert. Mittlerweile sind solche Boxer wie Raymond Ochieng mit ihrem „Geschäftsmodell“ als Aufbauhelfer für Andere recht erfolgreich. Es ist allerdings auch kein Wunder, wenn sie ihre Dienste angemessen bezahlt haben wollen. Wer wird sie noch kennen, wenn sie später einmal womöglich nicht mehr mit Spaß am Leben im gemieteten Ferrari sondern mit einer Parkinsonerkrankung am Körper im eigenen Rollstuhl sitzen ?

Fotos: Raymond Ochieng Privatarchiv

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