Moses Itaumas Blitzsieg in der ersten Runde über den abgehalfterten Dillian Whyte am Samstagabend hat in Großbritannien sofort Rufe nach einem Titelkampf gegen Oleksandr Usyk ausgelöst. Manche Fans sehen den 20-Jährigen schon als nächste große Hoffnung im Schwergewicht.
Doch hier liegt das Problem: Queensberry Promotions muss entscheiden, ob sie Itauma wirklich jetzt schon in ein Duell mit dem besten Mann der Division schicken wollen. Die Risiken sind offensichtlich – und wer sich erinnert, wie Usyk Daniel Dubois nicht nur einmal klar auseinander nahm und dessen Karriere ins Wanken brachte, weiß, wie schmal der Grat ist.
Itauma wirkt wie Dubois 2.0 – viel Hype, wenig Substanz
Wer Itaumas Auftritt genau betrachtet, erkennt schnell: das war alles andere als komplex. Er arbeitete mit seinem linken Standardhaken und bearbeitete Whytes Körper – gegen einen 37-jährigen Gegner, der lahm, passiv und offensichtlich am Ende seiner Laufbahn wirkte.
Und selbst in diesem Kontext fiel auf, dass Itauma zwei klare Schläge in den Nackenbereich landete, die man als Rabbit Punches bezeichnen muss. Sie führten direkt zum Niedergang Whytes. Das Kampfrichter-Team ließ die Szene laufen, aber faktisch entschied nicht technische Brillanz, sondern Regelverletzung.
Die Parallelen zu Daniel Dubois drängen sich auf. Auch der wurde früh hochgejubelt, nachdem er zweitklassige Gegner abgefertigt hatte. Auch er wirkte im Ring beeindruckend – bis er einem echten Elite-Kämpfer gegenüberstand.
Kein MIke Tyson
TalkSport-Kommentator Simon Jordan brachte es auf den Punkt: Mit Mike Tyson vergleichen? Lächerlich. Tyson hatte mit 20 schon 28 Kämpfe in den Beinen, bevor er 1986 gegen Trevor Berbick den Titel holte. Itauma hat gerade einmal 12.
Mehr noch: Tyson stand damals kompromisslos im Infight, warf harte Kombinationen und hatte keine Angst vor Gegenwehr. Itauma hingegen bewegt sich lieber rückwärts, pickt sich einzelne Schläge heraus und zieht sich sofort zurück, sobald Druck kommt. Das erinnert eher an den Stil von Shakur Stevenson – aber ohne dessen defensive Raffinesse.
Die Wahrheit ist: Itauma kämpft heute genauso wie als Amateur. Keine Weiterentwicklung, keine erkennbare taktische Reife. Er ist schwerer geworden, ja, aber stilistisch derselbe wie damals – und das gegen eine noch schwächere Gegnerschaft.
Adam Catterall brachte es nüchtern auf den Punkt: Usyk hat schon zig Boxertypen wie Itauma gesehen, erst im Amateurbereich, dann bei den Profis. Und er hat sie alle gelöst. Warum sollte es diesmal anders sein? Die Wahrscheinlichkeit spricht klar gegen den Jungen.