Nur wenige Tage vor dem größten Kampf seiner bisherigen Karriere bekommt Mohamed Abou-Chaker eine Wendung serviert, die jedes Team nervös machen würde: Sein ursprünglich angesetzter Gegner Lukas Ferneza fällt verletzt aus. Die Vorbereitung der letzten Wochen? Praktisch wertlos.
Der ungeschlagene Berliner Junioren-Titelanwärter (7-0, 5 K.o.) hatte sich inhaltlich und taktisch komplett auf den kampfstarken Slowaken eingestellt. Jetzt aber wartet ein Gegner, den man im Profiboxen nur ungern kurzfristig nimmt: Ein Mexikaner.
Wer ist Zaid Hernández Cortes – und warum verändert er alles?
Neu im Ring steht nun Zaid Hernández Cortes (5-3-0), ein Mexikaner mit bekannt unangenehmem Stil: viel Druck, viele Fouls an der Grenze, viel Erfahrung aus harten Gefechten in Lateinamerika. Ein Gegner, der selten sauber boxt und den Rhythmus bewusst zerstört.
Managerin Dorothea Ring bringt es nüchtern auf den Punkt: „Mohamed hat sich die ganze Zeit auf Ferneza vorbereitet. Und jetzt ein Mexikaner… Die sind schwer zu boxen und für ihren harten Kampfstil bekannt. Das macht alles komplizierter.“
Abou-Chaker muss also binnen Tagen umstellen – Distanz, Timing, Konterwege. Genau die Feinheiten, die man gegen technisch andere Boxer braucht. Für einen 23-Jährigen in seinem ersten großen Titelkampf ist das eine echte Belastungsprobe.
Velten Fight Night: Über 60 Runden Boxen und ein Berliner Talent im Fokus
Die Velten Fight Night bleibt dennoch ein massiver Kampfabend: 11 Fights, mehr als 60 Runden, lokale Talente, internationale Gegner und eine Atmosphäre, die in Brandenburg zuletzt immer stärker gewachsen ist.
Einer der Höhepunkte abseits des Hauptkampfes: Maurice Milcke, aktueller Junioren-Weltmeister im Halbmittelgewicht und Sohn des GBA-Präsidenten Jörg Milcke. Milcke gilt als einer der spannendsten Berliner Nachwuchsboxer und wird intern als „wichtiges sportliches Highlight des Abends“ bewertet.
„So viele spannende Fights an einem Abend gibt’s selten“, heißt es aus Veranstalterkreisen.
Trotz des Chaos im Vorfeld bleibt Abou-Chaker klar im Kopf. „Ich will den Titel und ich hole ihn mir. Egal, wer am Ende im Ring steht“, sagt er.
Für viele im Umfeld klingt das weniger nach Spruch – und mehr nach einer Kampfansage.
Ein Sieg über Hernández Cortes wäre mehr als nur Schadensbegrenzung. Es wäre ein Statement, dass Abou-Chaker selbst mit kurzfristigem Gegnerwechsel bereit ist, den Weg an die Spitze weiterzugehen.
Geheimtraining in Berlin: Mohamed Abou-Chaker und Karo Murat beim Lauf im Grunewald gesichtet
Der Berliner Hoffnungsträger Mohamed „Momo“ Abou-Chaker bereitet sich auf die bislang wichtigste Nacht seiner jungen Karriere vor: die Junioren-Weltmeisterschaft am 22. November in der Ofen-Stadt-Halle Velten.
Neue Aufnahmen zeigen ihn beim morgendlichen Lauf im Grunewald – an seiner Seite kein Geringerer als Ex-Europameister Karo Murat. Beide trainieren fernab der Kameras, konzentriert, zielstrebig und offenbar mit einem Plan.
Abou-Chaker, gerade 23 Jahre alt, trifft in Velten auf den zähen Slowaken Lukas Ferneza (23). Der hat zwar sechs Siege und vier Niederlagen auf dem Konto, lieferte aber gegen Namen wie Vincent Feigenbutz und Emre Cukur starke Kämpfe über die volle Distanz.
Was steckt hinter Murats „geheimem“ Training?
Dass Murat plötzlich wieder regelmäßig mit Abou-Chaker auftritt, sorgt in der Szene für Gesprächsstoff. Die Bild-Zeitung hatte bereits im Mai angedeutet, Murat denke über ein Comeback nach – ausgerechnet gegen seinen alten Rivalen Jürgen Brähmer.
Ob der frühere Europameister also selbst wieder aktiv werden will oder einfach seinem Schützling hilft, ist offen. „Dass ihn ein erfahrener Profi wie Karo Murat im Training unterstützt, spricht Bände“, erklärt Abou-Chakers Managerin Dorothea Ring.
Für Abou-Chaker zählt jetzt nur der 22. November. Sein Camp arbeitet an Details: Ausdauer, Präzision, Geduld. Das Team setzt bewusst auf kontrollierte Intensität statt Show. Wer das Training kennt, merkt: Hier geht es um echtes Handwerk, nicht um PR.
Velten erwartet ein volles Programm und harte Duelle
Das Event in Velten verspricht pure Action. Zehn Fights stehen auf dem Plan – darunter auch Maurice Milcke, aktueller GBC-Juniorenweltmeister im Superweltergewicht.
Sieben ungeschlagene Talente steigen in den Ring – ein Signal dafür, welchen Stellenwert der Kampfabend inzwischen hat. Lokale Organisatoren sprechen von „der stärksten Fight-Night des Jahres in Brandenburg“.
Wie weit Abou-Chaker wirklich ist, wird sich zeigen, wenn das Licht über dem Ring angeht. Sollte das Training mit Murat Wirkung zeigen, könnte der Berliner am 22. November ein Kapitel deutscher Boxgeschichte schreiben.
